Krafts schiefe Türmchen

Das Hochschulkonzept 2010 verschleiert mit Schlagworten den Bruch der im Qualitätspakt garantierten Planungssicherheit. Von Beate Schulz

Das Reformpaket der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft (SPD) wird in seine endgültige Form gegossen und wartet dabei mit immer mehr Schlagworten auf. Die Spielzeugkiste Hochschulkonzept 2010 enthält nun vier neue Bauklötze: Profilbildung der Hochschulen, zukunftsfähige Strukturen, mehr Anreize, Qualitätsbildung. Die Hochschulen in NRW müssen daraus nun Türmchen bauen, soll heißen mit Hilfe des Konzepts herausfinden, welche Fachbereiche unter- oder überausgelastet sind oder was gekürzt werden kann.

In Ministerialdeutsch klingt das so: eine »Überprüfung und Anpassung der Kapazitäten in relevanten Lehr- und Forschungsbereichen (LFB)« erreichen. Diese werden entweder als erfolgreich oder kritisch bewertet. Erfolgreich bedeutet, möglichst viele AbsolventInnen und eingeworbene Drittmittel vorzuweisen, kritisch ist, was nach Ansicht des Ministeriums am Arbeitsmarkt vorbeiarbeitet (philtrat nr. 56). Wesentlich ist auch die Auslastung eines Fachbereichs - unter achtzig Prozent wird es problematisch.

Befürchtungen von StudentInnen und MitarbeiterInnen der Universitäten, das Konzept bedeute neben der Umstrukturierung der Hochschullandschaft eine weitere Mittelkürzung und führe zu zahlreichen Fächerschließungen, tat das Ministerium bislang mit den üblichen Beschwichtigungsfloskeln ab. Bei der Vorstellung des Konzepts am 1. Dezember letzten Jahres wurde Kraft dann aber doch deutlich: »Dann schließe ich hochschulübergreifende Umschichtungen nicht aus, etwa indem Studiengänge oder ganze Fachbereiche an einzelnen Standorten verlagert oder sogar geschlossen werden müssen.« Zynisch ist dabei ihre Aussage, die Hochschulen würden weiterhin zum Qualitätspakt stehen - die Hochschulen halten sich daran, nur das Ministerium zieht sich daraus zurück.

Mittlerweile gibt es einen konkreten Fahrplan für die Umsetzung des Hochschulkonzepts. Die Hochschulen sollen auf die Vorgabe landesweiter Zielvorgaben bis zum 15. Februar 2004 mit der Vorlage von »Standortkonzepten« zur Profilbildung, sprich Mittelkürzung reagieren. Diese will das Ministerium in der Zeit von Februar bis April mit den eigenen Vorstellungen abgleichen. Von Mai bis Juli sollen die Abstimmungsgespräche zwischen Ministerium und Hochschule stattfinden, sodass bis spätestens Ende des Jahres die neuen Zielvereinbarungen abgeschlossen werden können. 2006 will Ministerin Kraft dann Bilanz ziehen.

Krafts Behauptung, die Hochschulen würden überall im Land mitziehen, ist dabei vermutlich genauso falsch wie ihre Einschätzung, dass diese Reformen den Hochschulstandort NRW an die Weltspitze bringen werden.