Ouvertüre

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Im Spiegel heißt das Ding »Hohlspiegel«, in konkret «herrschaftszeiten«. Rubriken für Absurditäten sind sicherlich nicht nur für die LeserInnen das reinste Vergnügen, sondern auch für ZeitungsmacherInnen. Nach Herzenslust können sie Konkurrenzblätter nach Absurdem, Originellem und Skurrilem durchforsten und Gefundenes genüsslich ausschlachten.

Oder - wie es höchstwahrscheinlich bei den «herrschaftszeiten«-Leuten der Fall war - vielleicht auch einfach nur den Kopf schütteln angesichts eines derart hirnverbrannten Angebots, wie es der Reiseveranstalter TUI am 25. Januar auf seiner Internetseite vom Stapel ließ: Bei der »Rettung über die Ostsee - 60 Jahre danach« dürfen sich die Passagiere durch das Mare Baltikum schippern lassen - auf den Spuren von zwei Millionen Menschen, die im Mai 1945 »aus den zäh verteidigten Brückenköpfen des Ostens auf dem Seeweg in Sicherheit gebracht« wurden. Als »einzigartige historische Kreuzfahrt« preist TUI das Erlebnis an, das unter anderem auch nach Pillau und Königsberg führt - immerhin Häfen, die erstmals seit Kriegsende wieder von einem Kreuzfahrtschiff angelaufen werden. Für Ausflüge bieten sich die Gestade des Sam- und Ermlandes an, aber auch die Kurische Nehrung sowie die Pommersche Schweiz. Das landestypische Kombüsenessen kann man bei »einem Besuch liebenswert aufgebauter Städte wie Danzig, Kolberg oder Stettin« genießen.

Dass die Überschrift »Reisen mit dem Führer«, die konkret den NostalgikerInnen des Reiseveranstalters verpasst hat, den Nagel auf den Kopf trifft, kommt leider bei viel zu wenig Ewiggestrigen an. Aufgrund der enormen Nachfrage bei ähnlichen Unternehmungen offeriert nämlich »TUI LeisureTravel Special Tours mit dieser Kreuzfahrt eine weitere Möglichkeit, in die Vergangenheit abzutauchen.« Man muss den VeranstalterInnen ja nicht unbedingt auf die Nase binden, dass das Wort »abtauchen« in Verbindung mit einer Kreuzfahrt eventuell zu Irritationen führen könnte. Viel Spaß beim Lesen der aktuellen Ausgabe wünscht

die Redaktion