Reise ans Ende der Nacht

Von Hartmut Schwarz

Louis-Ferdinand Céline beschreibt in Reise ans Ende der Nacht (Rororo) in einer faszinierenden Sprache, die zwischen Argot und Kunstsprache oszilliert, die furiose Lebensreise des Medizinstudenten und späteren Armenarztes Bardamu. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg erlebt er das unheroische Abschlachten tausender junger Menschen unter dem Eindruck nationalistischer Gefühlswallungen. Enttäuscht, desillusioniert und verwundet, verschlägt es den Helden ins koloniale Afrika. Auch hier erlebt er die Welt als sinnlos, grausam und schreiend ungerecht. Schließlich verbringt er seine Tage als Armenarzt in Frankreich, nicht aus Menschenliebe, sondern aus schierer Not. Dieser Roman bietet keine leichte Unterhaltung, ist aber eine sprachlich überwältigende, wütende Anklage der Verrohungen der spätbürgerlichen Gesellschaft. Einer der bedeutendsten Romane des Zwanzigsten Jahrhunderts in einer wirklich gelungenen Neuübersetzung.

Hartmut Schwarz