Artikel zur Universität Köln

Alle mögen Müsli

Linke Hochschulgruppen haben bei der Wahl zugelegt. Eine von ihnen verlor jedoch fast die Hälfte ihrer Sitze. Von Julia Groth und Laura Reina

Die grüne Hochschulgruppe Campus:Grün ist die Gewinnerin der Wahl zum Studierendenparlament (SP) vom vergangenen Dezember. Sie konnte um vier Sitze zulegen und stellt nun mit zehn Sitzen die zweitgrößte SP-Fraktion nach den Unabhängigen (Unabs). Welche Gruppen den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) stellen werden, ist allerdings noch offen.


Ouvertüre

Von Redaktion

Die Koalitionsverhandlungen zum neuen Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) stecken in einer Sackgasse. Die Grünen könnten gemeinsam mit den Unabhängigen (Unabs) den AStA stellen – wollen sie aber nicht. Offiziell heißt es, dass ihnen die bequeme Nicht-Politik der Unabs nicht passe, dass man mit dieser Gruppe keinen Neuanfang in die Wege leiten könne. Insider haben der philtrat allerdings die wirklichen Gründe zugetragen, die für die Grünen gegen eine Koalition mit den Unabs sprechen. Erstens gehe das schon allein wegen der Farben ganz und gar nicht. Was ist die Farbe der Grünen? Grün. Was ist die Farbe der Unabs? Auch Grün. Eine grün-grüne Koalition, sozusagen eine grasgrüne, froschgrüne, rundum grüne Koalition würde die echten Grünen eines ihrer wichtigsten Alleinstellungsmerkmale berauben. Keiner könnte mehr sagen, welche der AStA-ReferentInnen echte Ökos und welche nur UmweltzerstörerInnen im Ökopelz wären. Ein PR-Desaster für die wahren WeltretterInnen. Ein weiteres Problem: Die Grünen setzen sich vehement für einen Tunnel unter dem AStA-Gebäude vom Unicenter zur Unimensa ein, speziell für besonders gehfaule Studierende – ein sogenannter Krötentunnel. Ein Plan, den die Unabs ebenso vehement ablehnen. Sie fürchten, dass sich LUSK-Molche aus dem im gleichen Gebäude ansässigen Lesben- und Schwulenreferat (LUSK) zwischen die Kröten – nein, Studierenden mischen und sich mit diesen paaren könnten. Unzucht unter ihren Büros also. Da schaudert es den keuschen Unabs. Möglich wäre auch eine Koalition aus Unabs, Jusos und der selbsternannten Fachschaftsliste UFO. Das wird allerdings gut unterrichteten Kreisen zufolge wohl daran scheitern, dass sich die Jusos weigern, mindestens einmal die Woche Independence Day zu schauen. Die Unabs wiederum befürchten, dass die Jusos ihre Forderung, dass alle rote SPD-Rosen am Revers tragen müssen, doch noch durchsetzen könnten. Die Koalitionsverhandlungen verfolgt weiterhin gespannt


Revolution von oben

Die Philosophische Fakultät soll neu strukturiert werden. Studierende dürfen nicht mitreden. Von Hanna-Lisa Hauge

Die Philosophische Fakultät mit ihren vielen Instituten ist ineffizient und altmodisch aufgebaut. Das findet zumindest eine Kommission, die Rektor Axel Freimuth im vergangenen Jahr damit beauftragt hat, die Fakultät zu evaluieren. Die Kommissionsmitglieder favorisieren in ihrem Bericht, die Institute durch sogenannte Departments zu ersetzen. Dazu würden einzelne Fächer zu Fächergruppen zusammengefasst werden. Davon versprechen sich die Kommissionsmitglieder mehr Flexibilität und die Möglichkeit, fachliche und disziplinäre Schwerpunkte zu bilden. Wie die Departments im Einzelnen aussehen würden, ist noch unklar. »Sie können als ‚institutsähnliche Gebilde’ zusammengeschlossen sein und eine gemeinsame Geschäftsführung haben«, erklärt Peter Hacke, Studierendenvertreter in der Engeren Fakultät (EF), dem höchsten Beschluss fassenden Gremium der Fakultät. »Sie könnten aber auch nur auf der Homepage ein Department bilden und sich ein- oder zweimal im Jahr treffen.«


Lärm und verschlossene Türen

Umbauten in der Unibibliothek behindern Studierende. Von Elisa Moll

Wer sich derzeit in der Unibibliothek auf Klausuren vorbereiten will, hat bereits am Eingang mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Haupteingang ist weiträumigabgesperrt. Erst nach einem Umweg gelangt man über einen Nebeneingang in die Bibliothek. Der Grund: Das Foyer und die Verwaltungsabteilung werden saniert. Zum Leidwesen der BesucherInnen wird sich an diesem Zustand demnächst auch nichts ändern. Laut Unileitung dauern die Sanierungsarbeiten mindestens noch bis Dezember nächsten Jahres. Spürbare Verbesserungen wird es nur wenige geben. In erster Linie dienen die Renovierungsarbeiten dazu, das Gebäude den derzeitigen Brandschutzauflagen anzupassen. Zukünftigen BesucherInnen werden sich nur über übersichtlichere Benutzungsbereiche freuen können.


Jetzt geht's um die Wurst

Bei den Wahlen zum Studierendenparlament konnte die Gruppe Campus:Grün stark zulegen, die Alternative Liste verlor hingegen mehrere Sitze. Für die philtrat sprach Laura Reina mit den Hochschulgruppen darüber, wie diese ihre Ergebnisse bewerten und mit wem sie möglicherweise koalieren wollen. Von Laura Reina

Die Unabhängigen

»Es ist uns gelungen, wieder mit Abstand die stärkste Fraktion im Studierendenparlament zu werden, was uns zufrieden macht und unsere erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre bestätigt. Dies ist insbesondere beim durch alle Gruppen sehr intensiv geführten Wahlkampf ein erfreuliches Ergebnis. Aktive Fachschaftsarbeit wird immer noch durch die Studierenden gewürdigt. Wir haben von den Wählerinnen und Wählern den Auftrag zur AStA-Bildung bekommen, diesem Auftrag werden wir gerne nachkommen.«


Kleine Schwester ganz groß

Gang durch die Uni XVI: Die Mensa in der Robert-Koch-Straße. Von Elisa Moll

Viele Kölner Studierende kennen die Mensa in der Robert-Koch-Straße als die versteckte MedizinerInnenmensa, in der Horden von Medizinstudierenden, nachdem sie mit ihren Skalpellen in Leichen herumgefuhrwerkt haben, mit ähnlichem Elan in Schnitzeln herumstochern, die blutbefleckten Kittel noch am Leib. Das mag übertrieben sein. Die meisten Studierenden der Philosophischen Fakultät gehen dennoch eher in die Unimensa an der Zülpicher Straße. Und nehmen dort ein deutlich schlechteres Essen in Kauf.


Support your local Fachschaft

Eine neue Geschäftsordnung regelt, wie die Fachschaften der Philosophischen Fakultät künftig arbeiten. So darf es etwa nur eine Fachschaft pro Fach geben. Von Anna Hölscher

Die Fachschaften der Philosophischen Fakultät haben eine neue Geschäftsordnung beschlossen. Darin ist festgeschrieben, welche Aufgaben Fachschaften haben und wodurch sie legitimiert sind. Zudem regelt die Geschäftsordnung die Aufgaben und Legitimation der Fachschaftenkonferenz (FSK), auf der alle Fachschaften der Philosophischen Fakultät mit jeweils einer Stimme unter anderen über ihre Jahresbudgets abstimmen, sowie die Aufgaben des Arbeitsausschusses der FSK, des SprecherInnenrats (SpRat). Auch Einzelheiten zur Aufstellung und Tätigkeit der FachschafterInnenliste Das Original sind darin festgelegt. Diese kandidiert bei Gremienwahlen unter anderem für den Senat, eines der höchsten Beschluss fassenden Gremien der Uni. Mit der neuen Geschäftsordnung wollen die Fachschaften ihre Arbeit besser koordinieren und transparenter machen und so letztlich die Interessen der Studierenden besser durchsetzen können.


Prüfungsamt gibt Fehler zu

Falsch belegte Ergänzende Studien werden Bachelor-Studierenden vorerst doch angerechnet. Von Dana Römling

Die Probleme, die Studierende jüngst mit der Anrechnung der Ergänzenden Studien (EST) hatten, haben sich zum Großteil gelöst. Nach Beschwerden von Studierenden und einem Bericht in der philtrat (siehe philtrat nr. 92) lockerte das Prüfungsamt die strikte Regelung.


Knutschenfür mehr Toleranz

Die Uni Köln hat die homofeindliche Professorin Edith Düsing zu einem Vortrag eingeladen. Studierende störten diesen mit kreativem Protest. Düsing gab sich uneinsichtig. Von Anna Hölscher

Bei einem Vortrag der als »Homo-Heilerin« bekannt gewordenen Philosophieprofessorin Edith Düsing an der Uni Köln kam es zu kreativen Protesten. Dazu aufgerufen hatte das Autonome Lesben- und Schwulenreferat (LUSK), da sich Düsing im Vorfeld nicht von diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen distanzieren wollte. Mehrere Hundert Studierende zeigten so im Dezember küssend und Regenbogenfahnen schwenkend ihren Unmut über Düsings Einladung an die Uni.


Der Wolf im Schafspelz

Von Hanna-Lisa Hauge

Die Aulas der Uni Köln sind nicht mehr besetzt, die ehemaligen BesetzerInnen haben ihr Lager ganz offiziell in einem Hörsaal aufgeschlagen. Rektor Axel Freimuth ruft keine PolizistInnenen mehr, sondern setzt sich mit den Studierenden an einen Tisch. Einen Monat nach dem Mitte November wieder aufgeflammten Bildungsstreik hat eine neue Phase begonnen. Statt mit Konfrontation versuchen die Beteiligten es mit Gesprächen.


Gebührenboykott geht weiter

Von Hanna-Lisa Hauge

Studierende der Uni Köln können auch in diesem Semester am Boykott der Studiengebühren teilnehmen, den der Arbeitskreis Studiengebührenboykott organisiert. Der Arbeitskreis überweist Semesterbeitrag und Studiengebühren der BoykotteilnehmerInnen auf ein Konto, das ein Rechtsanwalt treuhänderisch verwaltet.


Unterschriften gegen Gebühren

Von Laura Reina

An der Uni Köln läuft seit Mitte Januar eine Unterschriftenkampagne unter dem Motto »Die Kommerzialisierung von Bildung und Wissenschaft stoppen«. Die InitiatorInnen wollen damit auf die Defizite des Bildungssystems hinweisen.


Wählen statt Wünschen

Vom 14. bis 18. Dezember wählen die Studierenden der Uni Köln ihr Parlament. Es treten zwei neue Gruppen an. Von Anna Hölscher

Seit Monaten kämpfen Studierende im Rahmen des Bildungsstreiks für mehr Mitbestimmung. Die Rechte, die sie schon haben, können sie bald wieder wahrnehmen. Mitte Dezember wird eins der wichtigsten Organe der studentischen Selbstverwaltung gewählt: das Studierendenparlament (SP oder StuPa). Zwischen dem 14. und 18. Dezember können die Kölner Studierenden an die Urnen treten und eine von neun Hochschulgruppen wählen. Das SP besteht aus 51 Mitgliedern. Es entscheidet unter anderem über den Haushalt und wählt den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Der AStA setzt sich aus dem Vorstand und verschiedenen Referaten zusammen. Es gibt unter anderem ein Referat für Finanzen, eines für Bildungspolitik und ein Sozialreferat. Die Hochschulgruppen, die für das SP kandidierenden, sind teils studentische Organisationen von Parteien und teils parteiunabhängige Gruppen. Dieses Jahr treten gleich zwei neue Hochschulgruppen an: UFO und die Guerilla Grrls.


Ouvertüre

Von Redaktion

Viele haben es geahnt, jetzt ist es amtlich: Rektor Axel Freimuth hat Angst vor Studierenden. Vor allem vor solchen, die für ihre Rechte kämpfen – denn mit Rechten scheint er es ohnehin nicht so zu haben. Um Bildungsstreikende davon abzuhalten, die Aula 2 zu besetzen, heuerte er einen Trupp Türsteher an, der sich in der Aula postierte. Und dabei gleich noch die etwa 300 Studierenden, die dort eine Psychologie-Vorlesung besuchten, im Auge behielten. Die hätten ja beschließen können, die Aula zu besetzen, in der sie sowieso schon saßen. Mag sich Freimuth gedacht haben. Was genau er sonst so von Studierenden befürchtet, darüber kann man nur spekulieren. Farbbeutel vielleicht, faule Eier, Maschinenpistolen.


Freier als Freimuth

Kölner Studierende besetzten mehrere Hörsäle. Die Unileitung war nicht zu Verhandlungen bereit. Von Hanna-Lisa Hauge

Wenn vor dem Senatsaal der Universität dieser Tage hunderte junge Leute reglos auf dem Boden liegen, dann sind das keine faulen Studierenden, sondern Bologna-Leichen. Sie sollen zeigen, wie überfordert sich Bachelor-Studierende durch ihre überfrachteten Stundenpläne fühlen. Solche Aktionen nennen sich Flashmobs und sind Teil des Kölner Bildungsstreiks.


Das Superwahljahr kommt an die Uni

Nicht nur das Studierendenparlament wird neu gewählt, sondern auch die StudierendenvertreterInnen in den verschiedenen Gremien der Uni. Sie können Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen. Von Anna Hölscher

Nachdem die Studierenden durch Hörsaalbesetzungen und Demonstrationen auf ihre Interessen aufmerksam gemacht haben, ist nun ganz regulär ihre Mitbestimmung gefragt: Vom 14. bis 18. Dezember 2009 stehen wieder die jährlichen Wahlen der studentischen Mitglieder in die universitären Gremien an. Das sind der Senat, der Beirat für die Gleichstellung von Frauen, die Fakultätsvertretung und die Engeren Fakultäten (EF).


Wo sich FachschafterInnen treffen

Gang durch die Uni XV: Der SprecherInnenrat der Philosophischen Fakultät. Von Hanna-Lisa Hauge

Etwas versteckt hinter einer blauen Eisentür im ersten Stock des Studentenwerkgebäudes befinden sich die zwei Räume des SprecherInnenrates (SpRat) der Philosophischen Fakultät. Hier werden Sprechstunden gegeben, treffen sich Fachschaften und StudierendenvertreterInnen. Und hier versammelt sich jeden Freitagabend die Redaktion der philtrat.


Das Haus der Selbstmorde

Viele Orte in Köln sind geschichtsträchtig – auch einige, von denen man es nicht erwartet. Das Kölner Unicenter gehört in diese Kategorie. Von Dana Römling

Zu den wohl spektakulärsten Tagen in der Geschichte des Unicenters gehört der 13. Oktober 1977. An diesem Tag wäre das Haus fast zum Schauplatz eines politischen Dramas geworden: Die Rote Armee Fraktion (RAF) entführte damals die Lufthansa-Maschine »Landshut« nach Mogadischu und nahm die PassagierInnen als Geiseln. Hektische Ermittlungen des Bundeskriminalamts waren die Folge – dabei geriet das Unicenter ins Visier der FahnderInnen. Angehörige der Anti-Terror-Einheit GSG 9 durchsuchten mehrere Wohnungen des Hochhauses und stellten fest, dass Mitglieder des RAF-Kommandos »Siegfried Hausner« eine davon gemietet hatten. Wie sich später herausstellte, hatten sie dort die Entführung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer vorbereitet. Die GSG 9 fand zwar keine RAF-Mitglieder mehr vor. Dennoch durchsuchte die Polizei des Unicenter im Laufe des Herbstes noch mehrere Male.


Zurück auf Start

Bachelor-Studierende sollen wegen eines Uni-Fehlers viele Kurse wiederholen. Das volle Ausmaß ist noch unklar. Von Anna Hölscher und Dana Römling

Annika Petterson (Name geändert) ist wütend. Weil das Institut für Skandinavistik/Fennistik die 21-Jährige falsch informiert hat, werden ihr mehrere Seminare, die sie absolviert hat, nicht angerechnet. Deshalb muss sie Leistungen im Umfang von zwölf Credit Points wiederholen. Das sind 360 Arbeitsstunden, oder – je nach Veranstaltung, die sie belegen wird – bis zu 24 Semesterwochenstunden. Zwei Semester hat sie dazu Zeit, wenn sie ihr Studium noch in der Regelstudienzeit von sechs Semestern abschließen will. Ausgerechnet die zwei Semester, in denen sie die anspruchsvollen Hauptseminare belegen soll.


Ouvertüre

Von Redaktion

Frühnebel hängt über den Feldern, der ein oder andere Schwan zieht seine Bahnen im trüben Altrheinarm und im Schatten der im Lohengrin besungenen Schwanenburg wiederkäuen Kühe auf der Weide. So sieht niederrheinisches Postkartenidyll in Kleve aus – eine Kreisstadt nahe der holländischen Grenze, die sich seit diesem Semester Hochschulstandort nennen darf. Im September konnten sich erstmals Studierende an der neuen Fachhochschule Rhein-Waal einschreiben. Und da die neue Hochschule sich als Dienstleisterin am »Kunden Student« versteht, will man dort den ersten Bachelors in spe etwas bieten.


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