Filmrezensionen

Tanz den Mussolini

Tutta La Vita Davanti erzählt vom skurrilen Arbeitsalltag einer Philosophie-Absolventin in einem italienischen Callcenter. Von Anna Hölscher

Was, wenn das Leben ein Tanz wäre und man nur noch die richtigen Schritte lernen müsste? So stellt es sich zumindest Marta vor. Anfangs ist sie in ihrer Vision noch amüsierte Zuschauerin, doch bald tanzt sie selbst mit. Und das an einem Ort, von dem sie es nie erwartet hätte.


Vom Zufall getrieben

Ajami beschreibt die BewohnerInnen des arabischen Viertels in Tel Aviv. Von Hanna-Lisa Hauge

Ajami ist das arabische Viertel von Jaffa, einem Stadtteil von Tel Aviv. Es ist ein Schmelztiegel, in dem unterschiedliche Religionen, Traditionen und Weltanschauungen aufeinander prallen.

Omar ist ein Bewohner Ajamis. Er hat nur einen Wunsch: seine große Liebe Hadir zu heiraten. Doch weil sein Onkel einen Beduinen aus einer einflussreichen Familie anschießt, wird Omar als Familienoberhaupt zum Ziel ihrer Blutrache. Um nicht getötet zu werden, muss er in kürzester Zeit eine Menge Geld besorgen. Dafür ist ihm bald jedes Mittel recht, denn nur mit seinem Restaurantjob kommt er nicht weit. Abu Elias, der Besitzer des Restaurants, ist ein einflussreicher arabischer Christ. Er verspricht Omar zu helfen. Doch er ist auch Hadirs Vater, und als er von deren Liebe zu dem muslimischen Omar erfährt, ist seine Hilfsbereitschaft schnell am Ende. Dann ist da noch der jüdische Polizist Dando, der täglich mit der Gewalt auf der Straße konfrontiert wird. Seit sein Bruder während des Militärdienstes verschwand, lebt die Familie in grausamer Ungewissheit, ob er von Islamisten verschleppt wurde.


Nord

Von Anna Hölscher

Skiliftwärter Jomar ist depressiv. Am liebsten raucht, trinkt und schläft er. Als er erfährt, dass er einen Sohn hoch oben im Norden Norwegens hat, rafft er sich dennoch dazu auf, ihn zu suchen. Mit einem Motorschlitten und einem Fünf-Liter-Kanister Schnaps als Proviant macht er sich auf den Weg Richtung Polarkreis.


An Education

Von Hanna-Lisa Hauge

An Education ist eine Coming-Of-Age-Story, die Anfang der Sechzigerjahre spielt. Die Vorzeigeschülerin Jenny besucht eine stocksteife Mädchenschule und möchte nach ihrem Abschluss in Oxford studieren.


The Book Of Eli

Von Elisa Moll

Wir schreiben das Jahr 2044, die Welt ist durch einen Krieg im Jahre 2014 fast völlig zerstört. Die einzige mögliche Rettung ist ein Mann: Eli. Die Hoffnung der Welt liegt in seinen Händen. Zumindest als gläubiger Christ kann man das so sehen, denn die Hoffnung, von der die Rede ist, ist die Bibel.


Trommeln mit Prof

In Ein Sommer in New York – The Visitor bekommt ein gelangweilter Professor unerwartet zwei MitbewohnerInnen. Von Carolin Wedekind

Die Geschichte klingt zunächst nach platter Multikulti-Parabel und sentimentalem Freundschafts-Märchen: Der verwitwete Professor Walter Vale spult seit Jahren lustlos die gleiche Vorlesung ab. Als er nach einem Aufenthalt an der Universität in Connecticut seine New Yorker Wohnung wieder betritt, trifft er auf unerwarteten Besuch. Die beiden illegalisierten ImmigrantInnen Tarek und Zainab haben seine Wohnung von einem Immobilienbetrüger gemietet und wissen nach Walters Rückkehr nicht, wo sie nun bleiben sollen. Walter beschließt, die beiden bei sich wohnen zu lassen, bis sie eine neue Unterkunft gefunden haben. Schnell entsteht eine Freundschaft zwischen dem vermeintlichen Misanthrop Walter und dem lebenslustigen Trommler Tarek. Tareks Instrument weckt zum ersten Mal seit Langem Walters Interesse an irgendetwas und er beginnt sich aus der Apathie zu trommeln. Doch dann wird Tarek, obwohl im Besitz eines Tickets, von einem rassistischen Fahrkartenkontrolleur festgenommen.


Die Dame ist die stärkste Figur

Die Schauspielerin liefert etwas verspätet eine leichte Sommergeschichte. Von Elisa Moll

Eine verstohlene Beobachtung verändert Hélènes Leben von Grund auf. Durch den Vorhang eines Hotelzimmers, in dem Hélène als Putzfrau arbeitet, sieht sie zufällig ein Paar beim Schachspielen. Der Mann ist seiner Partnerin dabei völlig ergeben. Als sie ihn Schachmatt setzt, scheint er das nicht als Niederlage zu empfinden, ganz im Gegenteil erhöht es eher die sexuelle Spannung zwischen den Spielenden.


13 Semester

Von Dana Römling

Das Abitur in der Tasche und raus in die Welt. Das will auch Moritz. Er nimmt sich vor, nicht wie seine Eltern zu sein und geht studieren. Neue Freunde, neue Möglichkeiten, neues Leben. Doch das neue Leben ist natürlich nicht so einfach, wie »Momo« sich das zu Anfang gedacht hat: Das Studium fordert Motivation, Zeit und sogar Lernaufwand.


Micmacs

Von Hanna-Lisa Hauge

Eine Hand voll skurriler Persönlichkeiten, eine liebenswerte Hauptfigur, die die Welt verbessern will und ein in satte, fast künstliche Farben getauchtes Paris: Das ist Jean-Pierre Jeunets bekanntes Filmrezept.


Adam

Von Kathrin Heinen

Der filmtitelgebende, sich mit keinerlei sozialen Konventionen zurechtfindende Aspergerautist (natürlich gut gebaut und supersexy) dieser Hollywoodfremdschämkomödie verliert seine Mutter, seinen Vater, seinen Job, fast sein Apartment und trifft dann auf die Vollblutkindergärtnerin Beth, die sich im Folgenden anrührend aufopfernd bis leicht genervt um ihn kümmert – Sex inklusive.


Singen gegen die Angst

Der Berlinale–Gewinner erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die ihre Ängste überwinden muss. Von Hanna-Lisa Hauge

Nach einem alten peruanischen Glauben saugen die Töchter von Frauen, die Schreckliches erlebt haben, bereits als Babys die Angst ihrer Mütter mit der Milch auf. Fausta leidet unter einer solchen »verschreckten Brust«: Ihre Mutter wurde in den Jahren des peruanischen Bürgerkriegs vergewaltigt. Von den Erlebnissen ihrer Mutter traumatisiert, hat die junge Frau eine unüberwindbare Angst vor Männern und traut sich nicht einmal alleine vor die Tür.


Der Vaterhasser und der Kellernazi

Das Vaterspiel spricht mehrere Themen an, ohne sie zu verknüpfen. Von Nambowa Mugalu

Alles beginnt mit einem Anruf, den Ratz von seiner Exfreundin Mimi bekommt. Sie bittet ihn, in die USA zu kommen. Dort hält sie ihren Großvater versteckt, einen litauischen Nazi. Ratz soll das Kellerversteck renovieren, in dem sich der Mann verbirgt. Weil er ohnehin aus Wien fort will, willigt er ein. Hauptgrund seiner Flucht und zugleich Thema des Films ist der Hass, den er gegen seinen übermächtigen Vater hegt. Die Verachtung, die er für ihn empfindet, lebt er jedoch nur in seiner Phantasie aus. So programmiert er ein Ego-Shooter-Computerspiel mit dem Namen Kill Daddy Good Night: ein Vatervernichtungsspiel. Darin müssen die SpielerInnen immer wieder eine Vaterfigur erschießen. Ratz und Mimis Großvater beäugen sich während des Renovierens zunächst skeptisch. Im Laufe der Zeit nähern sich die beiden jedoch einander an. Ratz setzt sich mit der schwierigen Frage auseinander, wie er wohl im Nationalsozialismus gehandelt hätte. Schließlich gelingt es ihm auch, sein Spiel auf einer Online-Plattform zu veröffentlichen. Dort wird es in kurzer Zeit zu einem Erfolg. Als sein Vater wenige Wochen später stirbt, bereut er die Veröffentlichung jedoch.


Sonic Mirror

Von Nambowa Mugalu

In Mika Kaurismäkis Dokumentarfilm Sonic Mirror begleiten die ZuschauerInnen die Schlagzeuglegende Billy Cobham auf eine eindrucksvolle musikalische Reise in dessen Innenleben und in die verschiedensten Teile der Welt.


Ganz nah bei dir

Von Hanna-Lisa Hauge

Phillip (Bastian Trost) macht es wie seine Schildkröte Paul: Er verkriecht sich im schützenden Panzer seines Alltags. Morgens weckt ihn die Bügelmaschine mit Zeitschaltuhr, tagsüber arbeitet er in der Zentralbank und prüft Geldscheine.


Das gelbe Segel

Von Johanna Böttges

Brett hat in seinem Leben mehr als einen großen Fehler begangen. Der vorerst letzte führte ihn ins Zuchthaus, aus dem er nun nach sechs Jahren Haft entlassen wird – in ein Leben, von dem er kaum wagt, sich weitere Chancen zu erhoffen.


Ein schicksalhafter Tag

In Zerrissene Umarmungen lässt Pedro Almodóvar einen Drehbuchautoren in die eigene Vergangenheit reisen. Von Volker Elste

Der blinde Drehbuchautor Harry Caine (Lluís Homar) bekommt merkwürdigen Besuch: Ein gewisser Ray X erzählt ihm ungefragt, dass er vor 14 Jahren einen Dokumentarfilm gedreht habe. Damals führte Caine Regie bei dem Film Frauen und Koffer, der von dem Finanzmogul Ernesto Martel finanziert wurde. Die Hauptrolle spielte Lena Rivero (Penélope Cruz), die Lebensgefährtin des Geldgebers. Ihr ständiger Begleiter am Set war Martels Sohn, der mit seiner Videokamera die Dreharbeiten festhielt.


Erst schießen, dann Fragen stellen

Tropa de Elite ist ein Cop Movie ohne Helden. Von Carolin Wedekind

Nascimento ist Offizier bei der brasilianischen Militärpolizeieinheit BOPE. Die führt in den Favelas von Rio de Janeiro Krieg gegen die ebenfalls schwer bewaffneten Dealer, wenn die korrupte Staatspolizei wieder einmal versagt. BOPE-Polizisten, so wird in José Padilhas Film Tropa de Elite erklärt, schießen erst und fragen später.


Der Dorflehrer

Von Julia Groth

Entgegen der Erwartungen, die man durch den Titel haben könnte, ist Bohdan Slamas neuer Film Der Dorflehrer nicht langweilig. Im Gegenteil: er ist unerwartet mutig. Dabei ist die Grundstory eher simpel: Der Lehrer Pavel Liska kommt von einem Gymnasium in der Stadt an eine Dorfschule.


Fanboys

Von Carolin Wedekind

Es ist 1998 und Star Wars-Fan Linus hat Krebs. Damit er Episode I trotzdem noch sehen kann, beschließen seine Freunde, in George Lucas’ Skywalker-Ranch einzubrechen und den Film zu stehlen. Bevor die Freunde die Ranch erreichen, geraten sie mit einem Zuhälter aneinander, werden von der Polizei festgenommen, landen in einer schwulen Biker-Bar und lassen auch sonst keinen lahmen Roadmovie-Kalauer aus.


The Good, the Bad and the Weird

Von Johanna Böttges

Drei harte Kerle, wirbelnder Wüstensand und die wohl spaßigste Titelmusik aller Zeiten: Das sind die wichtigsten Zutaten von Kim Jee-Woons koreanischem Actionwesterngemisch The Good, the Bad, the Weird.


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