Verführerisch blickt sie in die Kamera, eine auffällige Kette lasziv über die linke Schulter geschlungen, mit den weißen Zähnen hält sie ein paar Steine fest. So posierte Marilyn Monroe 1962 für den Fotografen Bert Stern. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass das Foto mit einem großen X überzogen ist.
Das war Monroes Antwort auf das Porträt. Da es ihr nicht gefiel, versuchte sie, das Negativ mit einer Haarnadel zu zerstören - vergeblich wie sich herausstellen sollte, denn das Foto existiert immer noch und ist bis zum 1. Mai in der Sonderausstellung »Für immer und ewig? - The world's most photographed« im Museum Ludwig zu sehen.
Die von dem Briten Robin Muir konzipierte Ausstellung zeigt ausgewählte Porträts von zwölf zu modernen Ikonen gewordenen Berühmtheiten wie Mahatma Gandhi und Audrey Hepburn, John F. Kennedy oder Muhammad Ali. Erstmals war die Sammlung letztes Jahr in der Londoner National Portrait Gallery zu sehen. In Köln wird sie durch Aufnahmen von Marlene Dietrich und Pablo Picasso aus Privatbesitz und dem museumseigenen Bestand ergänzt.
Viele der gezeigten Prominenten konnten auf dem Höhepunkt ihrer Karriere bestimmen, wer sie fotografieren durfte und welche Fotos ihrem
Image zuträglich waren und demnach veröffentlicht werden durften. So sind es auch nicht diese bekannten Porträts, die die BesucherInnen der Ausstellung in ihren Bann ziehen, sondern Aufnahmen, die nicht das klassische Image der berühmten Persönlichkeiten bedienen: Momentaufnahmen, die die Stars in unerwartet intimen Augenblicken, mal lustig, mal ernst zeigen.
Wie ein Bild aus dem Jahr 1946, das ein Baseballteam einer amerikanischen High School zeigt. Auf dem Foto posiert eine Gruppe Jugendlicher in Trikots, mit Baseballcaps und Schlägern. Die Notiz neben dem Foto klärt die BesucherInnen darüber auf, dass es sich bei dem Jungen mit der großen Hornbrille und dem skeptischen Blick um den fünfzehnjährigen James Dean handelt. Eine Serie anderer Aufnahmen zeigt ihn von seiner komischen Seite: Bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Fairmont in Indiana posiert er in den Särgen eines Bestattungsunternehmers. Den BetrachterInnen springt hier ein gut gelaunter, Fratzen schneidender und in die amüsantesten Posen geworfener James Dean entgegen. Durch den tödlichen Autounfall Deans im gleichen Jahr erhalten die Bilder allerdings eine makabre Note.
Mit solchen Bildern, von denen viele bisher unbekannt waren, schafft die Ausstellung ein Gegengewicht zu den bekannten Porträts und zeigt eine andere, private Seite der abgebildeten Berühmtheiten.
Gezeigt werden bis zum 27. April 2006 außerdem Filme zu und mit den Meistfotografierten, jeweils donnerstags um 20 Uhr im Kino des Museums. Mehr Infos zur Ausstellung und zu den Filmen: www.museum-ludwig.de.
