Die Studienzeit ist für viele Studierende eine aufregende Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und Möglichkeiten. Für einige hat das Studium auch Schattenseiten: Nach einer Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks erleben zirka 25 Prozent der Studierenden während ihres Studiums eine ernste psychische Krise.
Sie leiden unter Redehemmungen, Prüfungsangst oder Konzentrationsschwierigkeiten. Viele Studierende haben auch zu hohe Ansprüche an die eigene Leistung oder zweifeln am Studium. Wieder andere haben Selbstwertprobleme und Stimmungsschwankungen, leiden unter Partnerschaftsproblemen, Schwierigkeiten, sich von ihren Eltern zu lösen, oder haben einen hohen Alkohol- und Drogenkonsum.
Ein Viertel der 1,8 Millionen Studierenden in Deutschland beendet das Studium vorzeitig. Rainer Holm-Hadulla, ärztlicher Leiter der psychotherapeutischen Stelle des Heidelberger Studentenwerks, bringt die hohe Zahl der StudienabbrecherInnen mit psychischen Problemen in Verbindung. Das belegt auch eine Studie der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen in Köln mit dem Forschungsschwerpunkt »Sucht«. Für die Studie wurden 2500 Studierende der Universitäten Köln, Paderborn und Aachen befragt. Zehn Prozent der Befragten unterbrachen ihr Studium. Zwar gab ein Großteil als Motive Sammeln von anderen Erfahrungen oder Geldverdienen an, zwanzig Prozent von ihnen unterbrachen ihre Anstrengungen für die Uni jedoch wegen Zweifeln am Sinn des Studiums, während zehn Prozent aufgrund psychischer Probleme vorläufig aufgaben.
Nach Meinung Holm-Hadullas besteht daher dringend Handlungsbedarf: »Es ist kein Einzelfall, dass begabte Studenten aus psychischen Gründen weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben«, sagte er gegenüber dem Magazin Unicum. »Wir verschleudern wertvolles Humankapital, wenn wir uns nicht stärker um die jungen Leute kümmern.«
Nur fünf Prozent der deutschen Studierenden suchen die psychosoziale Beratung ihrer Universität auf. Aus diesem Grund fordert Holm-Hadulla, die Vereinigten Staaten als Vorbild zu nehmen: »An guten Hochschulen in den USA hat jeder zu Beginn eine individuelle Beratung, zirka dreißig bis vierzig Prozent der Studenten besuchen irgendwann einen psychologisch versierten Berater.« Er betont, dass wissenschaftliche Studien und praktische Erfahrung zeigten, dass Studierende, die eine Beratungsstelle aufsuchten, weder schlechtere Studierende seien, noch an den Anforderungen der Uni scheiterten. Im Gegenteil: achtzig Prozent der Beratenen könnten nun selbstbewusster und effizienter studieren.
Das Studentenwerk der Uni Köln steht seinen Studierenden mit vier ausgebildeten PsychologInnen und einer Tanz- und Körpertherapeutin der Psychosozialen Beratung bei Problemen aller Art zur Seite. Dabei geht es den MitarbeiterInnen vor allem darum, die Studierenden mit Hilfe von Gesprächen zu unterstützen, um ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken in schwierigen Situationen neu zu entdecken oder auszuweiten. Außerdem versuchen die PsychologInnen zusammen mit den Studierenden, Lösungsstrategien zu entwickeln. In vielen Fällen können schon ein einzelnes Gespräch oder wenige Sitzungen dazu beitragen, das Studium wieder optimistisch anzugehen.
